NHIs sind digitale Identitäten für Maschinen, Anwendungen und automatisierte Prozesse. Sie greifen eigenständig auf Systeme, Daten, APIs und Plattformen zu – ohne direkt einer Person zugeordnet zu sein.
Non-Human Identities in IAM: Risiken, Best Practice und aktuelle Markttrends
Was sind Non-Human Identities?
Welche Arten von Non-Human Identities gibt es?
NHIs entstehen in unterschiedlichen technsichen Kontexten und greifen auf Systeme, Daten, APIs und Plattformen zu. Sechs Kategorien reichen aus, um die wichtigsten technischen Identitäten darzustellen.
Technische Konten
Applikations- & API-Identitäten
Secrets & Zertifikate
Workload-Identitäten
Automatisierung & Bots
Geräte- & IoT-Identitäten
Non-Human Identities (NHIs) identifizieren, steuern und kontrollieren
Unternehmen können Non-Human Identities nur dann wirksam absichern, wenn sie diese vollständig inventarisieren, zentral steuern und kontinuierlich überwachen.
Identity & Access Management wurde lange vor allem auf menschliche Identitäten ausgerichtet. In modernen IT-Landschaften reicht das nicht mehr aus: Anwendungen, Workloads, Container, Skripte und Service Accounts greifen eigenständig auf Systeme, APIs, Cloud-Services und Daten zu.
Diese NHIs bilden die unsichtbare Zugriffsschicht digitaler Prozesse. Während menschliche Identitäten meist über HR-Prozesse, Rollenmodelle und Joiner-Mover-Leaver-Abläufe gesteuert werden (Identity Lifecycle Management), entstehen NHIs oft dezentral: durch Entwicklerteams, Automatisierung, Cloud-Plattformen, Integrationen, DevOps-Pipelines oder Maschinenprozesse. Dadurch entstehen Risiken, die klassische IAM-Modelle nur begrenzt abdecken.
Entscheidend ist daher, ob Unternehmen technische Identitäten vollständig inventarisieren, verantworten, kontrollieren, überwachen und bei Bedarf automatisch entziehen können.
Warum verlieren Unternehmen die Kontrolle über Non-Human Identities?
Obwohl viele Unternehmen bereits IAM-Lösungen einsetzen, entstehen NHI häufig außerhalb etablierter Governance-Prozesse. Genau diese dezentrale Entstehung führt dazu, dass Transparenz und Kontrolle mit zunehmender Digitalisierung immer schwieriger werden.
Während auf eine menschliche Identität bereits durchschnittlich 45 NHIs kommen, verfügen viele dieser digitalen Identitäten über weitreichenden Zugriff auf sensible Daten und Systeme. Gleichzeitig fehlt Unternehmen häufig ein vollständiges Inventar sowie eine klare Governance für NHI.
Die Risiken sind erheblich: Viele Organisationen können den Missbrauch von NHIs nicht in Echtzeit verhindern, zahlreiche Berechtigungen bleiben ungeprüft und kompromittierte Zugangsdaten zählen weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Sicherheitsvorfälle. Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass das Management von NHIs zunehmend zu einem kritischen Faktor für die Unternehmenssicherheit wird.
Aktuelle Herausforderungen
45:1
68%
80%
19,6%
Quellen:
1. CyberArk, 2024 Identity Security Threat Landscape Report.
2. CyberArk, 2024 Identity Security Threat Landscape Report.
3. Silverfort, Shining the Spotlight on the Rising Risks of Non-Human Identities.
4. Aembit, 2024 Non-Human Identity Security Report.
Warum NHIs ein eigenes Risikoprofil haben
31%
80%
46%
93%
Quellen:
1. Verizon, 2024 Data Breach Investigations Report.
2. Silverfort, Insecurity in the Shadows.
3. Okta, What Are Non-Human Identities?
4. CyberArk, 2024 Identity Security Threat Landscape Report.
NHIs existieren in On-Premises-Umgebungen ebenso wie in Cloud-, SaaS- und PaaS-Plattformen. Sie sind damit nicht auf ein einzelnes System beschränkt, sondern häufig über mehrere technologische Ebenen verteilt. Oft ist die Quelle und der Kontext von NHIs nicht bekannt. Genau diese Eigenschaften erschwert Transparenz, Verantwortlichkeit und Kontrolle.
Sie wachsen mit jeder neuen technischen Abhängigkeit – oft schnell, dezentral und außerhalb zentraler Governance-Prozesse.
Vier zentrale Risiken beim Management von NHIs entstehen:
- Fehlende Transparenz: Viele NHIs sind nicht vollständig inventarisiert. Nutzung, Owner und Berechtigungen bleiben unklar.
Unklare Verantwortung: Ohne definierte Owner werden Berechtigungen selten geprüft, Secrets nicht konsequent rotiert und veraltete Identitäten bleiben aktiv.
Zu viele Rechte: Damit Integrationen stabil laufen, erhalten technische Konten oft weitreichende Berechtigungen.
Schwer erkennbare Kompromittierung: Da NHIs automatisiert und dauerhaft aktiv sind, wirkt Missbrauch mit gültigen Credentials oft wie normale Systemaktivität.
Für viele Firmen ist das Ergebnis: Hochprivilegierte Identitäten existieren im Hintergrund. In der Regel sind sie weniger kontrolliert als menschliche Benutzerkonten, aber mit deutlich größerem Schadenspotenzial.
NHI und IAM: Das aktuelle Best-Practice Modell für sichere Identitäten
Die beschriebenen Risiken lassen sich jedoch nicht allein durch strengere Sicherheitsrichtlinien lösen. Ein sicheres Management von Non-Human Identities erfordert eine zentrale IAM-/IGA-Plattform, die starke Authentifizierung, granulare Zugriffskontrolle, Governance, Lifecycle-Management und automatisiertes Self-Service-Management miteinander verbindet.
Eine moderne IAM-Lösung für Non-Human Identities setzt auf Zertifikate, OAuth, mTLS, kurzlebige Tokens, RBAC/ABAC, Least-Privilege-Prinzipien, zentrales Logging, Auditing, Secrets Rotation und regelmäßige Kontrollen.
Für klassische Service Accounts und übergreifende Governance-Prozesse ist eine IAM-/IGA-Plattform ein sinnvoller zentraler Steuerungspunkt. Sie unterstützt insbesondere die Inventarisierung, Verantwortlichkeitszuordnung, Genehmigung, Rezertifizierung, Nachvollziehbarkeit und regelbasierte Verwaltung von NHIs.
Für technisch tief integrierte NHI-Szenarien reicht eine IAM-/IGA-Plattform allein jedoch meist nicht aus.
Themen wie Secrets Rotation, Workload Identities, tokenbasierte Authentifizierung und Cloud-Berechtigungen, Zero Trust erfordern meist das Zusammenspiel mehrerer Sicherheitskomponenten. Dazu zählen insbesondere IGA, PAM, Secrets Management, Cloud IAM und ein zentrales Security Monitoring.
Ziel ist daher nicht nur ein zentrales IAM für NHIs, sondern ein integriertes Kontrollmodell, das Governance, technische Durchsetzung, Monitoring und automatisierte Sicherheitsmaßnahmen miteinander verbindet. So entsteht ein sicheres, transparentes und automatisiertes Identitätsmanagement für nicht-menschliche Identitäten.
Jetzt handeln: wie Unternehmen NHIs erfolgreich managen
Ein Zielbild allein reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist, wie Unternehmen den Einstieg in ein strukturiertes NHI-Management gestalten und welche Maßnahmen den größten Sicherheitsgewinn bei vertretbarem Aufwand bieten.
Unternehmen sollten das Management von Non-Human Identities schrittweise etablieren und zunächst kritische technische Identitäten identifizieren, priorisieren und absichern.
NHI-Management für Compliance und Auditfähigkeit
Neben der operativen Sicherheit rücken zunehmend regulatorische Anforderungen in den Fokus. Ein strukturiertes NHI-Lifecycle-Management ist die Grundlage für Compliance, Auditfähigkeit und den sicheren Betrieb technischer Identitäten.
Aus regulatorischer Sicht entscheidet sich wirksames NHI-Management über den gesamten Lifecycle einer technischen Identität. Unternehmen brauchen nicht nur technische Kontrollen, sondern ein vollständiges Betriebsmodell für Inventarisierung, Ownership, Zertifizierung, Rotation, Monitoring und Deprovisioning technischer Identitäten. Joiner-Mover-Leaver-Prozesse für NHIs müssen etabliert werden.
NHI Lifecycle-Management schafft die Grundlage für Auditfähigkeit: Es klärt Zweck, Owner, Systembezug, Berechtigungen, Secrets, Zertifikate, Rezertifizierung, Deprovisioning sowie definierte Policies und Risiken.
Bei einen NHI-Audit werden Nachweise für folgende Themen regelmäßig erwartet:
- vollständiges Inventar aller technischen Identitäten, Secrets, Zertifikate, Tokens und API-Clients
- dokumentierter Zweck, Kritikalität, Systembezug und fachlich/technischer Owner
- Genehmigung, Änderungshistorie und regelmäßige Rezertifizierung
- besondere Kontrolle privilegierter NHIs
- Nachweis von Least Privilege, SoD-Prüfung und Scope-Begrenzung
- Nachweis von Secret Management, Secret Rotation und Credential-Ablauf
- Vermeidung oder kontrollierte Ausnahme statischer Passwörter und langlebiger Secrets
- Deprovisioning bei Applikations-, Projekt-, Schnittstellen-, Owner- oder Workload-Ende
- Logging, Monitoring, Anomalieerkennung und Incident-Nachweise
- dokumentierte Ausnahmen, Risikoakzeptanzen und Kompensationsmaßnahmen
Nachweis technischer Policy-Durchsetzung über IGA, PAM, Secrets Management, Cloud IAM, CI/CD Security und SIEM/ITDR/ITPRDamit wird nachvollziehbar, welche technischen Identitäten existieren, wie sie kontrolliert werden und welche Prozesse bei Verstößen oder Auffälligkeiten greifen.
Gleichzeitig entsteht ein nachvollziehbarer Nachweis gegenüber interner Revision, Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden.
Regulatorisch wirksames NHI-Management bedeutet: technische Identitäten über ihren gesamten Lebenszyklus kontrollieren, dokumentieren und risikoorientiert steuern.
NHI-Management und IAM der Zukunft: KI, ITPR und Zero-Trust-Frameworks im Fokus
Wer heute transparente Governance-Prozesse etabliert, schafft gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Entwicklungen im Identity & Access Management. Künstliche Intelligenz, Zero Trust und Identity Threat Prevention verändern das Management von Non-Human Identities grundlegend und machen automatisierte Sicherheitskontrollen unverzichtbar.
Die Zukunft des Identity & Access Management wird maßgeblich durch KI, nicht-menschliche Identitäten und automatisierte Sicherheitsmechanismen geprägt. KI-Agenten, Workloads, Bots, Service Accounts und API-Clients übernehmen zunehmend eigenständig Aufgaben in Geschäfts- und IT-Prozessen. Damit verschiebt sich IAM von der klassischen Verwaltung menschlicher Benutzer hin zur Governance dynamischer, maschineller und KI-gesteuerter Identitäten.
KI verändert IAM dabei in zweifacher Hinsicht: Einerseits unterstützt sie Prozesse wie Role Mining, Access Reviews, Rezertifizierungen, Risikoanalysen, Anomalieerkennung und automatisierte Entscheidungsvorlagen. Andererseits erzeugt sie neue Identitäten, neue Berechtigungsmodelle und neue Angriffsflächen. Insbesondere autonome KI-Agenten benötigen kontrollierte Zugriffe auf Daten, Anwendungen, APIs und Secrets – jedoch nur temporär, zweckgebunden und nachvollziehbar.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Zero-Trust-Frameworks, Just-in-Time-Secrets, kurzlebige Tokens, kontinuierliche Risikoüberwachung und Identity Threat Prevention and Response stark an Bedeutung. Entscheidend ist nicht mehr nur „wer“ Zugriff hat, sondern „welche menschliche, technische oder KI-basierte Identität“ in welchem Kontext, mit welchem Zweck, welchem Risiko und für welche Dauer agiert.
Für Unternehmen, Hersteller, Dienstleister, Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden wird NHI-Management damit zu einem Kernbestandteil moderner IAM-Strategien. Der Zielzustand ist ein KI-gestütztes, evidenzbasiertes und proaktiv steuerndes IAM: weg von statischen Berechtigungen und dauerhaften Secrets, hin zu temporären, kontextabhängigen und automatisiert kontrollierten Identitäten.
Fazit
Die Entwicklung zeigt deutlich, dass das Management technischer Identitäten künftig zu den zentralen Aufgaben moderner Cybersecurity gehört. Unternehmen, die bereits heute die richtigen organisatorischen und technischen Grundlagen schaffen, können neue Technologien sicher nutzen und gleichzeitig ihre Governance nachhaltig stärken.
Non-Human Identities entwickeln sich vom schwer kontrollierbaren Sicherheitsrisiko zu einem strategischen Bestandteil moderner IAM-Architekturen.
Das Management von NHIs ist kein technisches Randthema und kein reines Compliance-Projekt. Es ist ein strategischer Baustein moderner IAM-Architekturen und schafft die Grundlage dafür, digitale Prozesse sicher, skalierbar und auditfähig zu betreiben.
Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt in einem pragmatischen Einstieg. Eine moderne IAM-Lösung für NHI muss zur bestehenden Systemlandschaft, zum Reifegrad und zu den Ressourcen passen. Statt ein überdimensioniertes Großprojekt aufzusetzen, sollten Unternehmen mit klar priorisierten Use Cases starten: um Risiken schnell zu reduzieren und Transparenz zu schaffen.
IPG begleitet Unternehmen von der Standortbestimmung über das Zielbild bis zur Umsetzung und Weiterentwicklung geeigneter NHI-Prozesse und Technologien. Eine zentrale IAM-Plattform kann dabei zum Steuerungspunkt für Authentifizierung, Zugriffskontrolle, Lifecycle Management, Governance, Monitoring und Auditfähigkeit auch für NHIs werden.
Dieser Bericht beruht auf Expertenwissen, für die Ausformulierung wurde Hilfe von KI in Anspruch genommen.